Montag, 19. August 2019

6 Wochen - 6 Sätze (4)

"Das ist gut, dass mein Sohn in eine allgemeine Schule gehen wird. Aber die ist mehr als 20 km entfernt, da brauchen wir einen Fahrdienst."
"Das sind ja Ansprüche - Sie müssen ihn schon selber fahren."
"Aber in die Sonderschule würde er ja auch gefahren! Wie soll ich das denn sonst mit meiner Arbeit vereinbaren?"
" Wenn Sie auf inklusiver Beschulung bestehen, dann müssen Sie schon bereit sein, auch selbst Opfer zu bringen!“
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Montag, 12. August 2019

6 Wochen - 6 Sätze (3)

"Und, wie ist es meinem Sohn beim Kochkurs ergangen?"
"Ja, super! Er hat so schön drei Portionen Kartoffelsuppe gesessen!"
"Aber hoffentlich auch vorher die Kartoffeln geschält?"
"Ne, das haben wir Betreuer erledigt, während die Jungs Brettspiele gemacht haben."
"Dann hat ist er die ganze Zeit dort auf seinem Platz gesessen?"
"Nein, nein. Er war auch einmal auf dem Klo."
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Montag, 5. August 2019

6 Wochen - 6 Sätze (2)

"Ihr habt was gemacht?"
"Wir haben abgestimmt, ob wir ihn in der Jugendgruppe aufnehmen."
"Abgestimmt, ob er dabei sein darf...?"
"Ja, genau, aber für mich war das kein Problem!
Ich habe für ihn gestimmt, auch wenn er behindert ist.
Er stört mich auch gar nicht in den Gruppenstunden, weil er ja immer die ganze Zeit mit seinem Assistenten Tischkicker auf dem Flur spielt!"
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Montag, 29. Juli 2019

6 Wochen - 6 Sätze (1)

"Im Arbeitsbereich dieser Werkstatt wird sortiert."
"Immer nur sortieren ist aber sehr eintönig."
"Nein, es werden ja ganz unterschiedliche Sachen sortiert, wie Schrauben, Schläuche und ähnliches..."
"Und es gibt keine anderen Tätigkeiten?"
"Früher hatten wir auch noch andere Bereiche, die wir aber aufgegeben haben. Das Sortieren hat einfach den großen Vorteil: Das können alle Behinderten!"
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Montag, 22. Juli 2019

PR

DER JUNGE MANN hat es nicht leicht, einen Job zu finden.
Obwohl er gut qualifiziert ist.
Das Arbeitsamt schlägt ihm eine Umschulung vor. Es gebe da eine Firma, die sogar ein eigenes Modell-Projekt für Menschen wie ihn habe.
Er willigt ein. Doch in der Firma läuft es nicht gut:
Schon bei der Einarbeitung merkt er, dass die Mitarbeiter keine Idee davon haben, was Menschen wie er brauchen. Immer wieder zeigen ihm unterschiedliche Mitarbeiter etwas. Wirklich Zeit hat keiner von ihnen, denn alle haben selbst viel Arbeit.
Es kommt bald zu einem Krisengespräch. Unterstützung von außen lehnt die Firma ab: „Wir müssen unsere eigenen Erfahrungen und Fehler machen“, sagt der Abteilungsleiter. Und: „Wir nehmen gerne Behinderte, aber Sie brauchen ja schon sehr viel mehr Unterstützung, als wir gedacht haben!“
Der junge Mann bräuchte vor allem einen ruhigen Arbeitsplatz. Im Großraumbüro ist es laut und unübersichtlich, und immer wieder muss er seinen Schreibtisch räumen, wenn ein anderer ihn braucht.
Der junge Mann setzt jetzt seine Hoffnung auf den Chef. Doch der ist schwer zu erreichen. Heute endlich ruft die Sekretärin an – er solle schnell kommen: Medien seien im Haus und wollten über das Inklusions-Projekt berichten. Man wolle gleich ein Foto mit ihm und dem Chef machen.
„Gel“, sagt sie, „Sie kennen doch den Satz: Tu Gutes und rede darüber!“
NIxklusionsmännchen, hält Hände über den Kopf, oben Striche, die auf ihn fallen. Er guckt traurig.
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Montag, 15. Juli 2019

Gute Besserung 2

DER JUNGE hatte einem Klassenkameraden einen Brief geschrieben.
Weil der im Krankenhaus war.
Es war ein Brief, den er ganz allein formuliert hatte.
Ein paar Tage später bekommt er eine Whatsapp:
„Hi“, steht da mit einem Smilie, „ich wollte Dir nur sagen, dass Du voll nett bist und wir vielleicht beste Freunde werden können.“
Nixklusionsmännchen, eines mit Beule am Knie, Brief
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Montag, 8. Juli 2019

Gute Besserung 1

Ein Klassenkamerad DES JUNGEN ist im Krankenhaus.
Er hat einen kleinen Eingriff am Knie.
Als Hausaufgabe soll der Junge ihm einen Brief schreiben.
Der Brief soll dann auch richtig abgeschickt werden.
Die Lehrerin hat Textbausteine vorbereitet, die der Junge eigentlich nur noch zusammensetzen muss: „Operation gut verlaufen“, „nicht zu viele Schmerzen“ und „gute Besserung“.
Der Junge schaut zu Hause lange auf die Wörter. Dann seufzt er.
„Du musst sie ja nicht verwenden“, sagt seine Mutter.
Der Junge nickt und schiebt die Vorlage zur Seite.
Dann schreibt er: „Hallo, die Klasse macht sich große Sorgen um Dich. Wir brauchen Dich! Komm bald wieder!“
Nixklusionsmännchen. Eins hat eine Beule am Knie. Ein Brief.
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Montag, 1. Juli 2019

Chancen

DER JUNGE möchte ein Ferienpraktikum machen.
Die Mutter hört sich um. Dann bekommt sie von Freunden einen Tipp:
Da gibt es einen sehr aufgeschlossenen Unternehmer, aufgeschlossen auch für das Thema Behinderung.
Sie bekommt dort auch sofort einen Vorbesprechungs-Termin.
Nachdem sie viel über den Jungen, sein Leben und seine Interessen erzählt hat, erzählt der Chef:
Davon, dass er einen erwachsenen Sohn hat. Einen Sohn mit Behinderung. Der auf einer Sonderschule war und jetzt in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist . Sehr glücklich sei er dort.
Und dann sagt er: „Dass er hier mitarbeiten könnte, das habe ich nie in Erwägung gezogen.“
„Naja, wenn das hier nicht klappt…“, sagt die Mutter.
„Nein, nein…“, unterbricht sie der Chef, „ich werde darüber nachdenken und mich melden.“
Nach ein paar Tagen ruft er die Mutter an:
„Ich habe es mir überlegt“, sagt er, „das geht nicht, dass ich hier Ihrem Sohn eine Chance gebe. Meinem eigenen Sohn habe ich diese Chance nie gegeben. Das wäre nicht gerecht!“
Und dann fügt er noch hinzu: „Ich wollte eigentlich für meinen Sohn auch immer etwas anderes. Aber inzwischen ist mir klar: Die Werkstatt ist genau das Richtige! Aber ich kann natürlich nur für meinen Sohn sprechen…“
Ein Berg, eine Burg, eine verschlossene Burgtür. Ein trauriges Nixklusionsmännchen am Fuß des Berges.
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Montag, 24. Juni 2019

Der neue Auszubildende

In der Firma DES JUNGEN MANNES fängt ein neuer Auszubildender an.
Wie üblich führt ihn der Chef herum und stellt ihm alle Kollegen vor.
„Wir sind ja keine Riesenfirma“, sagt er aufmunternd, „heute sind das viele neue Namen und Gesichter. Aber die kennen Sie alle sehr bald.“
Der neue Azubi, doch ein bisschen eingeschüchtert, nickt dankbar.
Auf dem Weg zum nächsten Arbeitsplatz erklärt der Chef:
„Wir haben hier einen Mitarbeiter mit kognitiver Behinderung, den ich Ihnen gleich vorstelle. Sie müssen aber keine Angst haben! Wir müssen da auf ein paar Dinge Rücksicht nehmen, aber das haben alle schnell gelernt…“
Und da kommt der erwähnte junge Mann auch schon um die Ecke.
Bevor der Chef weitersprechen kann, begrüßen sich die beiden freundschaftlich:
„Hey, Mann, was macht Du denn hier?“
„Ich arbeite!“
„Ja, cool – ich habe heute meinen ersten Tag hier“, sagt der Azubi, und dann lächelnd, an den Chef gewandt:
„Das ist ja toll, dann kenne ich ja schon mal einen meiner Kollegen! Wir waren in der Schule in Parallelklassen und zweimal sogar zusammen auf Klassenfahrt. Wir sind immer prima miteinander zurechtgekommen!“
„Na“, sagt der Chef nun auch lächelnd, „dann höre ich mal auf mit all meinen Erklärungen!“
Zwei Nixklusionsmännchen lachen und halten sich an Händen.
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Montag, 17. Juni 2019

Dolmetscher

DER JUNGE ist der zweiten Grundschulklasse.
Er ist sehr sportlich, ist beliebt und hat viele Freunde.
Und er hat einen Gebärdensprachdolmetscher an seiner Seite.
Denn der Junge ist taub.
Wie viele seiner Freunde möchte er Fußball spielen, so richtig im Verein.
Die Eltern fragen in verschiedenen Vereinen an.
Nur einer kann sich das vorstellen. Der Junge könne gerne vorbei kommen –
aber bitte mit Dolmetscher. Denn am Anfang gäbe es ja viel zu besprechen,
zum Beispiel die Spielregeln und die Anweisungen des Trainers.
Später könnte man wahrscheinlich auf den Dolmetscher verzichten.
Ein paar Grund-Gebärden könnten dann ja alle lernen.
Eine gute Idee, finden die Eltern und freuen sich.
Sie beantragen die Dolmetscher-Stunden beim Amt.
Ihr Antrag wird abgelehnt. Warum?, fragen sie den Sachbearbeiter.
„So sind unsere Gesetze“, erklärt dieser, „Schule ist Pflicht, aber Freizeitaktivitäten sind wie Ehrenämter: Kann man machen, muss man nicht machen.“
Und dann sagt er noch: „Schicken Sie Ihren Sohn doch auf eine Gehörlosenschule.
Da kann er ja auch Fußball spielen!“
Eine Fußballmannschaft aus bunten Nixklusionsmännchen, 2 Tore.
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