Montag, 27. Februar 2017

Der Neubau

Tag der Offenen Tür.
Der neue Anbau des Gymnasiums wird eingeweiht.
Auch die Mutter ist gekommen. Denn auch sie braucht in zwei Jahren eine weiterführende Schule für DAS MÄDCHEN im Rollstuhl.
Die Schulleiterin führt durch den Neubau: Rollstuhl-Toilette, Aufzüge in allen Ebenen, barrierefreie Zugänge überall.
Die Mutter ist sehr beeindruckt.
Einer der Besucher fragt: „Wie viele Schüler im Rollstuhl haben Sie denn hier?“
„Zurzeit keine“, antwortet die Direktorin. „Aber wir hatten schon zwei: Bei dem einen hat das auch sehr gut geklappt. Bei dem anderen haben wir uns mit den Eltern darauf geeinigt, dass er doch besser woanders beschult wird.“
Das interessiert die Mutter sehr.
Sie fragt nach: „Damals war ja noch nicht alles barrierefrei hier. War das das Problem?“
„Nein“, sagt die Direktorin: „Die Einstellung hat einfach nicht gestimmt. Wenn wir hier schon so einen Umstand betreiben, dann erwarten wir schon, dass sich der Schüler auch gut benimmt. Und dankbar ist.“
Die Geschichte vorgelesen ...

9 Kommentare:

  1. Die Einstellung stimmt einfach nicht. Wenn wir hier schon so einen Umstand betreiben und eine Pädagogin für viel Geld ausbilden, dann erwarten wir schon, dass sich die Pädagogin ihrem Berufsethos entsprechend verhält. Und dankbar ist.

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    1. Vielen Dank für die Geschichte. Diese Antwort ist sooo klasse zutreffend für diese Situation. Herrlich!

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  2. Die Barrieren in den Köpfen sind manchmal deutlich größer als die baulichen... Danke für die Geschichte!

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  3. oh man, da will man sein Kind doch schnappen und weit weglaufen. Schade um das schöne Gebäude aber wenn die handelnen Menschen so eine Einstellung haben - ist der Weg noch weit
    Rollstuh-WC nur gegen Wohlverhalten - Super Inclusion

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  4. Ja, wenn schon "so ein Umstand betrieben wird", dann sollte man sich schon im Klaren sein, warum.
    Bildungspolitisch scheint mir diese Direktorin nicht ganz auf der Höhe zu sein.
    Eine neue Direktorin anstelle eines neuen Gebäudes hätte da wohl wesentlich mehr gebracht...

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  5. Hmmmm....!? Dankbar? Ein merkwürdiger Begriff in dem Zusammenhang.
    Ohne diesen Nachsatz finde ich die Aussage okay.
    Es ist ja nicht so, dass es keine Behinderten geben würde die sich schlecht benehmen. Das wird wohl im Durchschnitt genau so sein, wie bei dem Rest der Menschheit auch.
    Ich denke wenn ich einem Rollstuhlfahrer die Tür aufhalte, erwarte ich zwar keine Dankbarkeit, aber vielleicht Freundlichkeit, wie bei jedem anderen auch. wenn der dann aber noch nen Spruch bringt "Das nächste Mal etwas schnell!" Dann werde ich dem sicher nie wieder helfen.
    Deshalb, man weiß ja nicht wie es gelaufen ist, trotzdem ist die Aussage höchst unglücklich

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    1. Bei normalen Kindern wird doch auch nicht nach der Einstellung des Kindes zur schule geschaut. Wenn die nicht stimmt sollten die Lehrer an der einstellung des kindes arbeiten und verbessern. Egal ob das Kind eine Behinderung hat oder nicht.

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    2. Kommt auf die Schule an. Es gibt Schulen, da wird den Eltern auch von "normalen" (was ist schon normal) Kindern nahegelegt sich evtl. anders zu orientieren.

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  6. Fein. Das klingt wie die Förderschule eines meiner Kinder, die zudem auch erwartet, dass die grundlegenden Probleme, die die Regelbeschulung unmöglich machten, bitteschön nun verschwunden sein sollen. Er ist jetzt ja an einer guten Schule. Da hat er Migräne nicht mehr nötig und sein autistisches Benehmen kann er bitte doch nun mal einstellen. Danke.

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