Montag, 20. März 2017

Raus

Und raus jetzt!
Widerwillig rollt er dann immer aus dem Klassenzimmer in den Raum, der „Differenzierungsraum“ heißt. Manchmal heißt er auch „Inklusionsraum“.
„Ich will hierbleiben bei meinen Freunden“, sagt er heute.
„Aber im kleinen Raum kannst Du Dich viel besser konzentrieren“, sagt die Sonderpädagogin,
„hier ist es viel zu laut für Dich!“
 „Mir ist es nicht zu laut“, murmelt er und bleibt einfach sitzen.
 Zwischen all den fröhlich schwatzenden Kindern.
„Aber ICH kann mich hier nicht konzentrieren!“, ruft die Sonderpädagogin laut.
Er rollt mit den Augen.
Und stellt die Bremse an seinem Rollstuhl noch ein bisschen fester.

Die Geschichte vorgelesen ...

8 Kommentare:

  1. Hmmm, mich stört schon der Name. Also die Förderlehrerin von Jolina hat auch so einen Raum (Für jede Klassenstufe der Grundschule gibt es eine Förderlehrererin und jede hat ihren Raum zur Verfügung). Eigentlich ein kleiner Klassenraum für eine Kleingruppe von Kindern mit Tafeln und PC und speziellen Fördermaterialien.
    Ab und zu geht Jolina auch mit ihrer heißgeliebten Lehrerin ins "Räumchen". Hört sich kleiner an als es ist, aber auch gemütlicher, heimeliger und ein bisschen nach schönen Stunden mit heißer Schokolade und wertvollen Momenten. Nun ja, trifft auch fast alles zu, bis auf die heiße Schokolade ;-)

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    1. ...naja fragen Sie doch mal den Jungen im Rollstuhl, der hätte sich bestimmt auch nicht von heißer Schokolade überzeugen lassen.
      Merke: auch Exklusion mit Kakao bleibt Exklusion!

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  2. Realität meets Inklusion. Sehr cool.

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  3. "Inklusionsraum" (!) Sinn und Bedeutung genauso verdreht wie beim häufig verwendeten "Inklusionskinder".

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  4. Das ist wieder ein herrlicher Text heute in Ihrem Blog, danke!

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  5. Finde ich nicht verwerflich. Wenn der Junge eben warum auch immer sonderpädagogische Förderung braucht und das im lauten Klassenzimmer nicht sinnvoll ist, dann halt in einem anderen Raum. Ein nichtbehindertes Kind, das Förderung in Deutsch oder Mathe braucht, bekommt diese normalerweise auch nicht im Klassenraum während des laufenden, lauten Unterrichts.
    Manchmal muss man halt in den sauren Apfel beißen, egal ob behindert oder nicht. Vielleicht könnte man die Förderung außerhalb der Unterrichtszeiten machen, dass ist aber zeitlich für die Sonderpädagogen nicht für alle möglich und es wäre wahrscheinlich auch nicht recht, wenn der arme Junge länger Schule hat als seine Freunde.

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  6. Tja, besondere Förderung schön und gut...
    Aber wenn sich die Sonderpädagogin nicht konzentrieren kann, dann ist das IHR Problem und nicht das Problem des Kindes. Egal ob Mädchen oder Junge!

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    1. Ich bezweifele, dass die Sonderpädagogin ein Konzentrationsproblem hatte, es ging wohl eher darum, den Jungen irgendwie zu überzeugen. Wobei sich wohl der Durchschnittsmensch bei Lärm eher weniger gut konzentrieren kann.

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