Montag, 11. September 2017

Die Fachfrau

DER JUNGE soll in den allgemeinen Kindergarten im Stadtteil gehen. Die Mutter sucht eine Unterstützungskraft. Der Kindergarten hat einen Tipp bekommen: Diese Fachfrau hätten Kollegen empfohlen.
Die Mutter ruft dort an.
„Ja“, sagt die Dame“, ich bin ausgebildete Fachkraft. Ich finde das auch ganz wichtig, dass man sich mit dem Down-Syndrom auskennt.“ Und dann erzählt sie:
Dass Kinder mit Down-Syndrom ja so musikalisch sind, und sie deshalb ganz viel mit Musik mache.
Dass sie bockig sind, aber da helfe nur strenge Konsequenz ohne Ausnahme.
Das sei auch kein Problem, denn die Menschen mit Down-Syndrom könnten ja nicht nachtragend sein, sondern seien seelisch robust und eigentlich ziemlich unkompliziert.
“Auf das sonnige Gemüt Ihres Sohnes freue ich mich schon richtig“, sagt sie zusammenfassend.
„Entschuldigung“, unterbricht die Mutter, „ich suche eigentlich jemanden, der mein Kind erst einmal kennenlernen möchte.“
„Ja, natürlich“, sagt die Dame, „das kann ich auch gerne machen. Lassen Sie uns doch nach einem Termin schauen.“
Die Mutter zögert: „Ich glaube, ich überleg es mir noch mal ...“
„Aber so eine Fachfrau wie mich finden Sie hier in der Gegend nicht leicht!“, hört sie noch die Stimme aus dem Telefon sagen. Dann beendet die Mutter das Gespräch.
Die Geschichte vorgelesen ...

12 Kommentare:

  1. Ich fühle mich durch die einfache Sprache, in denen die Artikel verfasst sind, jedes Mal doppelt berührt ,weil immer der wunde Punkt ohne Schnörkel genau getroffen wird.
    Es gibt wirklich furchtbare Leute , die sich für Fachleute halten und Andere, die das dann mit glauben !

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  2. DANKE an das Deutsche Down-Syndrom Info-Center für das Verlinken der Geschichte bei facebook:
    https://www.facebook.com/dsinfocenter/?hc_ref=ARRLrw-7PHOGWHRCAVzfeUyjmGBU2-QfgZQfePmkwNcGKN3enQHzfDORlz5364JdEUA&fref=nf

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  3. Sicher braucht es für Fachkräfte noch manche Fortbildung im Bereich Inklusion....aber "furchtbar" ist etwas anderes.

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  4. "furchtbar ist etwas anderes"??????

    Da bin ich aber mal gespannt, wie Sie das stattdesen dann bezeichnen würden, wenn eine Fachkraft das angehende Kindergartenkind hier nicht als individuelles Wesen, sondern lediglich als Summe aus behinderungsbedingten Steoreotypen wahrnimmt.
    Fortbildung wird da wohl auch nichts mehr retten können.

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  5. Ja, "furchtbar",oder besser gesagt,"furchtbare Leute", sind etwas anderes.Mich stören einfach diese permanenten Verunglimpfungen von Schulbegleitern, Lehrern usw. Das heißt nicht, dass mich das Klischeedenken der "Fachfrau" nicht auch stört, sehr sogar.Wer Menschen mit Down-Syndrom kennt, weiß, dass sie nicht so robust sind, wie sie oft wirken. Vielleicht sollte man Mal den Focus auf Ministerien und Schulbehörden richten, denn Ausbildung,Weiterbildung usw. sind sehr wohl unerlässliche Bausteine der Inklusion. Und die Besoldung der Erzieher und Lehrer, die in ihrer Gruppe bzw. Klasse inkludieren, ist ganz gewiss nicht angemessen!

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    1. Dem möchte ich zustimmen. Ich lese hier immer zwischen den Zeilen die Forderung, dass die Basis ausgleichen soll was auf Ministerialebene seit Jahren verschlafen wird. Abgesehen davon, warum sollen Bildungseinrichtungen als Teil der Gesellschaft besser oder innovativer sein als der Rest der Gesellschaft, der an Inklusion anscheinend wenig Interesse hat, sonst gäbe es vielleicht nicht so viele arbeitslose Menschen mit Behinderung und mehr Barrierefreiheit. Schade, dass hier hauptsächlich um unfähige Lehrer geht und richtungsweisende positive Beispiele sehr kurz kommen. Aber vielleicht ist die Intention des Blogs aber auch einfach eine andere und ich habe falsche Erwartungen.

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  6. Verunglimpft wird eigentlich niemand . Hervorgehoben wird das stereotype Denken über behinderte Menschen. Ich glaube nicht , das eine bessere Besoldung oder Lehrgänge an solchem Verhalten etwas ändern können, Da denken Menschen ohne Fachausbildung teilweise durchaus flexibler .Das , was meiner Ansicht gegen so ein Verhalten hilft , ist es deutlich zu kritisieren !Und wer was furchtbar findet , ist nun mal auch nicht stereotyp immer das gleiche, sondern individuell verschieden !

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  7. na wenn Sie wissen, dass individuelle Menschen mit Behinderung nicht so sind, wie sie öfters aufgrund ihrer Diagnose verallgemeinernd dargestellt werden, dann ist das ja schon mal etwas, wo wir uns einig sind.

    Was die Intention dieses Blogs angeht, habe ich die Ausführung der beiden Autorinnen "So erleben und hören sie eine Menge Inklusives und weniger Inklusives. Darüber schreiben sie jetzt jede Woche. " so verstanden, dass Kirstenmalzwei ( =selber betroffene Mütter) über ihre eigenen Erfahrungen und über das, was sie im Umfeld beibachten und erfahren, berichten.

    .... und glauben Sie das doch bitte einer Mutter eines Kindes mit Behinderung: die Tatsache, dass richtungsweisende positive Beispiele selten vorkommen entspricht LEIDER zu 100% der Alltagserfahrung!

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    1. "und glauben Sie das doch bitte einer Mutter eines Kindes mit Behinderung": soll das ein Synonym für "Nur ich habe Ahnung und damit Recht" sein? Gerade diese engstirnige Haltung wird in diesem Blog zu Recht bei so genannten Fachleuten kritisiert.

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    2. "und glauben Sie das doch bitte einer Mutter eines Kindes mit Behinderung": soll das ein Synonym für "Nur ich habe Ahnung und damit Recht" sein?" - Was für eine eigenartige Interpretation! Was ich geschrieben habe, heißt natürlich genau das, was da auch steht:
      meine Alltagserfahrung als Mutter eines Kindes mit Behinderung entspricht zu 100% der Darstellung, dass richtungsweisende positive Beispiele LEIDER selten vorkommen.
      Traurig genug diese Erfahrung mit meinem Kind machen zu müssen - als "engstirnig" mag ich mich jetzt nicht auch noch dafür beschimpfen lassen.

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  8. Auf längere Zeit hier mitgelesen ergibt sich das Resümee "Stimmungsmache auf RTLII-Niveau". Ich überlege immer wieder, welche Zielgruppe eigentlich erreicht werden soll.

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    1. Eltern behinderter Kinder erleben viel.
      Sei es mit Behörden und Krankenkassen oder mit Schulen.
      Inklusion ist noch lange nicht das, was sie sein soll.
      Nämlich vorurteilsfreie Teilhabe für jedermann.

      Ich habe diesen Blog hier so verstanden, dass Alltagsbeispiele aufgeschrieben werden, die Kindern mit Behinderungen und deren Eltern täglich geschehen.

      Diese Alltagsbeispiele gehören in eine breite Öffentlichkeit.

      LG Anita
      ( https://twitter.com/AnitaWorks9698 )

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Danke für Ihre Anmerkung. Wir behalten uns vor, diese hier zu veröffentlichen.