Montag, 15. Januar 2018

Freiwillig

Die Eltern des MÄDCHENS sind zum Gespräch eingeladen. Die Schulleiterin der Grundschule, die Klassenlehrerin und die Sonderpädagogin vom Gehörlosenzentrum warten schon.
„Wir haben Sie heute beide hierher gebeten“, beginnt die Schulleiterin, „weil wir Ihnen vorschlagen möchten, dass Ihre Tochter die Klasse freiwillig wiederholt."
Die Eltern schauen sich überrascht an. "Aber wir dachten, es läuft doch ganz gut …“, erwidert die Mutter.
Die Klassenlehrerin übernimmt: „Ja, so einigermaßen. Aber die Mitarbeit ist oft schwierig. Ich muss Ihrer Tochter immer noch einmal extra sagen, dass sie auch das richtige Heft herausnimmt. Und sie ist oft deutlich langsamer als die anderen Kinder." Die Sonderpädagogin ergänzt: „Es wäre einfach gut, wenn sie mit ihrer Behinderung noch etwas mehr Zeit bekäme ..."
Die Mutter runzelt die Stirn: "Das richtige Heft müssen bestimmt auch andere erst einmal suchen, oder? Das Wichtigste war doch, dass jetzt endlich die neue Tonübertragungsanlage installiert wurde. Vorher hat meine Tochter Sie ja teilweise gar nicht verstanden."
"Da haben Sie Recht“, bestätigt die Schulleiterin, "aber behindert bleibt sie ja trotzdem …“
"In der jetzigen Klasse sind alle ihre Freundinnen“, gibt der Vater zu bedenken, "sagen Sie uns doch bitte erst einmal, wie sehr sich unsere Tochter verschlechtert hat. Mit welchen Noten müssen wir denn rechnen?"
Die Klassenlehrerin klappt ihr Notizbuch auf: "In Deutsch steht sie zwischen 3 und 4, in Mathe ist es eine 2, und in den anderen Fächern überall zwischen 2 und 3."
Die Eltern schauen sich an. „Komm“, sagt der Vater zu seiner Frau, „wir gehen!"
Die Geschichte vorgelesen ...

25 Kommentare:

  1. Ach ja ! Wie schlecht ... da kommen ganz miese Erinnerungen hoch . In Gespräche gehen die Pädagogen mit mindestens immer 1-2 Personen mehr als man selber , damit sie auch ja immer in der Überzahl sind und immer einer seinen Senf dazu geben kann wenn dem anderen nichts einfällt . Ich habe bis heute keinen Vergleich zu Regelschülern und weis somit nicht wo meine Kinder stehen . Zeugnisse und Förderpläne sagen nichts über den jetzigen Stand des Kindes aus . Es ist mehr ein Jahresrückblick der Aktivitäten die gemacht wurden. So wie in dem Beispiel oben beschrieben Schulnoten besprochen werden , davon kann ich nur träumen . Es ist wie immer man hat den Eindruck in vielen Schulen über die Bildung der Kinder verhandeln zu müssen , wie auf einem Basar ! Und das sich die Schule an den Bedürfnissen der Kinder orientiert schon einmal gar nicht . Es ist und bleibt sehr frustrierend .

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  2. Solange keine Solidarität aus der Politik kommt und zwar nicht nur mit schönen Worten sondern in erster Linie finanziell , wird sich an unserem maroden Schulsystem auch nichts ändern . Viele Länder sind weiter aber Deutschland muss wieder das Rad neu erfinden . Leidtragende sind behinderte Kinder die schwächsten der schwachen . Man muss sich schämen !

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    1. Genauso so ist es! Ob es in anderen Ländern tatsächlich besser ist, würde ich doch sehr differenziert betrachten wollen. Ich habe einige Einblicke in Schweden gewinnen dürfen und da war auch nicht alles Gold, was glänzt in Bezug auf Förderung. Nur nett dabei sitzen entspricht nicht meiner Vorstellung von schulischer Inklusion.

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    2. Auch von Italien, dessen "Inklusionspolitik" so gelobt wird, hat man schon anderes gelesen. Keine Sonderschulen, ja, seit langem, aber weil es einem die Kinder nicht wert sind. Man wollte diese Kosten sparen.Sie sitzen im Unterricht mit drin, mehr nicht. Sonst verschwinden sie in Kompetenzzentren, wenn sie sich im Unterricht nicht alleine organisieren können. Vielleicht gibt es mittlerweile ein paar Vorzeigeschulen, das kann sein. Wir sollten uns nicht schlechter machen, als wir sind.

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    3. „Wir sollten uns nicht schlechter machen als wir sind?“. Sie leben wohl in einer Traumwelt! Wir sind schlecht genug in Deutschland! Schüler in Förderschulen Schwerpunkt geistige Entwicklung erhalten nicht mal Schulbücher..... nicht mal ein Malbuch oder ein Bilderbuch! Ist das nicht schlecht genug!!! Die meisten Kinder von Förderschulen machen nicht mal ein Abschluss!Dadurch, dass viele behinderte Kinder nicht zur Bildung kommen DÜRFEN und die nötige Unterstützung erhalten,landen sie in Behindertenwerkstätten ,wo sie 80 Euro im Monat verdienen. Sie sind auf Unterstützung vom Staat angewiesen trotz Arbeit! Neulich klagte eine Mutter beim Bundesverfassungsgericht!!! Es gibt Menschen in der Dritten Welt, die sogar mehr im Monat verdienen! Ist das nicht schlecht genug?Viele behinderte Jugendliche in meinem Freundeskreis träumen auch mal Shoppen zu gehen. Shoppen für diese Jugendliche heißt es beim Roten Kreuz aus der Kammer sich Kleidung zu holen!Verdienen sie 80 Euro im Monat?

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    4. Viele behinderte Menschen in Werkstätten haben aufgrund ihrer Behinderung eine gestörte Auge-Hand Koordination. Stellen sie sich mal vor mit 90 noch zu arbeiten. Denn viele behinderte Menschen haben die Verfassung eines 90 jährigen nicht behinderten Menschen und gehen trotzdem zur Arbeit und müssen in Werkstätten eine Arbeit verrichten, die sie in ihrer Entwicklung kaum fördert.Ist das nicht schlecht genug?Stellen sie sich mal vor noch mit 90 arbeiten zu MÜSSEN...und das für 80 Euro im Monat!

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    5. Antwort auf“Auch von Italien, dessen "Inklusionspolitik" so gelobt wird, hat man schon anderes gelesen. Keine Sonderschulen, ja, seit langem, aber weil es einem die Kinder nicht wert sind. Man wollte diese Kosten sparen“. Ach! Und Deutschland spart nicht an die behinderten, pflegebedürftige Menschen? In Förderschulen GB werden 12 Kinder in einer Klasse (4 Jahrgänge) mit unterschiedlichen Behinderungen und unterschiedlichen Grad der Behinderungen von einer einzigen Sonderpädagogin und Heilpädagogin unterrichtet.In jeder dieser Klassen helfen meistens 2 Schulbegleiter.Diese Kinder haben in diesen Förderschulen keine Schulbücher, weil man an diesen Kinder spart. Würde man diese Kinder in Regelschulen beschulen, dann müsste Deutschland Pädagogen für diese behinderte Kinder ausbilden und jedes dieser Kinder dürfte Anspruch auf einen Schulbegleiter haben.

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    6. Inklusion umfasst nicht nur Thema Schule! Es umfasst auch die Pflegepolitik! Jeder Zweite wird in der Zukunft(40 Jahren) pflegebedürftig sein. Da manche Politiker sich gegen Inklusion stellten und weiterhin stellen, stellen sie sich auch gegen die Pflegepolitik. Es fehlt nicht nur in Regelschulen Personal, sondern auch in der Pflege, weil man gespart hat. Viele pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland gegen ihren Willen in Heime ABGESCHOBEN, weil es an Pfleger fehlt die diesen Menschen eine häusliche Pflege bieten kann.(weil man an diese Menschen spart) In Pflegeheime werden meistens 10 Heimbewohner von einer einzigen Pfleger/in betreut."Wir sollten uns nicht schlechter machen, als wir sind?"Meinen sie nicht, dass jeder Bürger in Deutschland, der in der Zukunft vermutlich bis 70 arbeiten muss, auch es verdient hat in seinen eigenen vier Wänden sein Alter zu verbringen und Anspruch haben soll auf eine häusliche Pflege? Wer möchte freiwillig in ein Heim?

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    7. Das sehe ich anders.Es gibt keine UN-Konvention für alte Menschen, obwohl schon seit Jahren entsprechende Verbände genau das fordern. Genauer nachdenken!

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  3. Recht hat er, der Vater!
    Einfach unglaublich, wie man hier ein sinnesbehindertes Kind aus der Klasse drängen will. Niemals würde einem Kind ohne Handycap mit solchen Noten das freiwillige Wiederholen nahegelegt. werden. Auf so einer Grundlage sollten die Eltern sich tatsächlich erst gar nicht mit dem Thema Klassenwiederholung auseinandersetzen.
    Wenn ich nicht selber schon solche oder ähnliche Geschichten miterlebt hätte, würde ich befürchten dass hier übertrieben wird. Aber nein, ich weiß aus eigener Erfahrung: da braucht es keine Übertreibung und keine Falschdarstellungen. Solche Geschichten passieren jeden Tag irgendwo bei uns.

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  4. Müssten eigentlich nicht die meisten Kinder mit erhöhtem Förderbedarf in Regelschulen und Förderschulen die Klassen immer und immer und immer und immer wiederholen? ;-)Nehmen wir als Beispiel Thema Schulbegleitung. Anfang des Schuljahres wird ein Antrag bei der Schulbehörde gestellt,ein Mitarbeiter der Schulbehörde macht sich dann persönlich durch hospitieren ein Bild über die Entwicklung des Kindes, Notwendigkeit eines Schulbegleiters ...und so vergehen meistens 3 bis 4 Monate bis zur Bewilligung. Und dann vergehen noch ungefähr zwei Monate bis ein Schulbegleiter von Eltern gefunden wird (in Hamburg müssen inzwischen die Schulen diese Aufgabe ,Gott sei Dank ,übernehmen!). So gesehen verpasst das Kind zig Unterrichtsstoff ,weil es keine Unterstützung im Unterricht erhält! Kein Pädagoge würde aber mit Argumente kommen, dass ein Kind mit Förderbedarf das Schuljahr wiederhole müsse, weil die Schulbehörden,bzw das System versagt! Es werden weiterhin die Probleme auf die ärmsten Kinder und Eltern geschoben! Schuld daran ist ,wie in dieser Geschichte, die Behinderung des Kindes! Pädagogen versuchen dann,wie so oft, die Kinder abzuschieben!

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  5. Solchen Pädagogen die immer wieder den Wunsch haben, dass die Schüler die Klasse wiederholen, fällt es vermutlich nicht mal auf, dass sie was Falsches tun! Solche Pädagogen sind doch so erzogen worden.Sie haben es in ihrer langen Ausbildungszeit so gelernt. Sie haben gelernt nach der Devise“aus dem Auge aus dem Sinn!“ zu arbeiten. Wenn Probleme in der Schule auf sie auftreten, dann ist es wie selbstverständlich die Schüler abzuschieben. Denn, „Probleme die man nicht sieht, muss man sich denen auch nicht stellen!“.Die Kinder lernen ebenfalls keine Verantwortung zu übernehmen. Sie lernen“Schiebt Probleme von euch ab!“. Für Eltern von behinderten Kindern ist es wie ein Teufelskreis aus denen sie nicht rauskommen! Sie treffen Generation für Generation immer wieder auf solche intolerante Menschen, weil sie so erzogen worden sind!

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  6. Bildlich gesehen geht es im deutschen Schulsystem vor wie in den Märchen von Brüder Grimm. Man setzt Schüler aus wie Hänsel und Gretel. Denn irgendjemand wird sich schon dem annehmen! Deswegen sind Stadtteilschulen,bzw Schulen für alle,so wichtig! Man schiebt keine Kinder mehr ab und die Kinder bleiben nicht sitzen! Inklusion bedeutet, dass die Schulen sich nach den Kindern richten müssen und nicht andersrum! Die Pädagogen sind verpflichtet die Kinder so zu nehmen wie sie sind und sie zu fördern!

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    1. Ich schlage vor, nicht vom "deutschen Schulsystem" zu sprechen. - Ich kenne viele gute Schulen in Deutschland, Lehrer*innen, Sonderpädagog*innen, Erzieher*innen, auch Kinder/Jugendliche, Eltern Schulleitungen und viele Andere, die sich jeden Tag gemeinsam bemühen, wertschätzend, kompetent, engagiert, fröhlich und auch selbstkritisch voneinander zu lernen und miteinander umzugehen, vgl. u.a. http://www.jakobmuthpreis.de/preistraeger/. - Dass das nicht immer gelingt, erfahre ich allzu oft in unserer Familie mit nur drei Kindern.
      Inklusion heisst: Sich gegenseitig anerkennen und Mut machen, Schritte tun.

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  7. Ach ja, die üblichen Schulgeschichten hier. Wenn man das so liest, könnte man meinen, Schule wäre der einzige Bereich, der schwierig ist. Oder habe nur ich ein Problem mit mangelnder Barrierefreiheit, egal wohin ich schaue: Wochenlang sind Fahrstühle außer Betrieb oder "Fußgänger" sind zu bequem die Rolltreppe zu benutzen und der Rollstuhlfahrer darf endlos warten?! Der Arbeitsmarkt? Behinderte Arbeitnehmer profitieren überhaupt nicht vom Aufschwung, Einfacharbeitsplätze verschwinden, soziale Verantwortung Fehlanzeige. Kampf mit Behörden um Hilfsmittel? Absurde Kommentare von Mitbürgern? Oder auch mal Eltern, die ihr Kind mit ihrem Förderwahn ersticken, damit es möglichst "normal" wird? Aber nächsten Montag gibt es bestimmt wieder ein hübsche Schulgeschichte über einen inkompetenten Lehrer. Schade, dass sich Inklusion oder mehr das Gegenteil hier fast ausschließlich auf Schule konzentriert.

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    1. Die Geschichten hier befassen sich meistens mit dem Thema Schule, weil Tugende wie:Toleranz,Menschenliebe,Gutherzigkeit,Beständigkeit,Anstand,Mitgefühl,Nachsicht,Güte, Achtung, Vernunft,Barmherzigkeit,Feingefühl, Gerechtigkeitssinn,Verständnis,Harmoniegefühl,u.s.w.den Kindern Zuhause durch Eltern und in der Schule durch Pädagogen im Kindesalter beigebracht werden muss.Denn, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Wie heißt es so schön? Die Fehler der Vergangenheit holen uns immer wieder ein! Sie brauchen sich dann nicht zu wundern, wenn Sie dann auf mangelnde Barrierefreiheit treffen, auf intolerante, rücksichtslose Menschen, die einen Rollstuhlfahrer endlos warten lassen.Wenn Ihnen diese“hübschen Geschichten“ nicht passen, dann steht es ihnen doch zu ein Blog selbst zu gestalten mit Geschichten aus dem Alltag behinderten Erwachsenen Menschen. Würde mich als Mutter eines fast 17 jährigen behinderten Kindes, das in einem Jahr zu den Erwachsenen zählen darf, auf solch ein Blog freuen.Da könnte man sich auch sehr gut austauschen!

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    2. Warum so unfreundlich? Der/die Vorgängerkommentator/in hat doch Recht?Barrierefreiheit ist auch ein sehr wichtiges Thema der Inklusionspolitik, und für manchen Schüler Voraussetzung, überhaupt an schulischer Inklusion teilnehmen zu können. Ebenso Themen wie behindertengerechtes Wohnen, qualifizierte Arbeitsplätze usw., alles hier schon vereinzelt thematisiert, warum wollen Sie,dass das ausgespart wird? Es wird ihr Kind auch bald betreffen, und vermutlich viel länger als die Schulthemen.

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    3. Ob ich einen Blog schreibe oder nicht, verändert meine Definition von Inklusion nicht. Nach dieser Logik müssten doch alle Kritiker/innen des Schulsystems aufgefordert werden zu unterrichten?!

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    4. Die thematische Konzentration auf die Schule liegt an den Machern dieses Blogs und deren aktueller Lebenswirklichkeit. Und das ist doch ok, denn es ist ihr Blog. Reichen Sie den beiden doch mal eine Ihrer Geschichten ein. Den Stil der Geschichten kennen Sie ja. Vielleicht kommt dann ein Montag mit einer Ü30 Inklusions- bzw. /Nixklusionsgeschischte.

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    5. "Nach dieser Logik müssten doch alle Kritiker/innen des Schulsystem aufgefordert werden zu unterichten?!"
      .....na, aber das werden sie doch hier auch ständig von einigen Kommentatoren. ;-)

      Ich würde übrigens aus der evtl. Überrepräsentation von Schulgeschichten hier nicht automatisch schließen, dass den Blogautorinnen Inklusion in anderen Lebensfeldern unwichtiger ist. Denn die beiden sind doch Mütter von schulpflichtigen Kindern. In dieser Lebensphase bewegt man sich nun mal automatisch öfters im schulischen Umfeld.....Ich empfehle einfach etwas Geduld: meine Vermutung ist, dass mit der Zeit auch die außerschulischen Themen in diesem Blog häufiger werden.

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  8. Mit dem Forschungsüberblick zur Wirksamkeit der Klassenwiederholung zeigt Bless (2017), „dass diese Selektionsmassnahme, welche vermeintlich zum Wohle des Kindes ergriffen wird, im Widerspruch zu ihrer häufigen Anwendung, nicht halten kann, was man sich von ihr verspricht. Es ist zu vermuten, dass bei anderen Selektionsmassnahmen dieselbe Problematik besteht. Mit jeder Selektionsentscheidung geht das Bildungssystem das Risiko ein, sowohl Fehlentscheidungen zu treffen, die sich bei weiteren Selektionsentscheidungen kumulieren können, als auch Massnahmen zu ergreifen, welche sich nicht als genügend wirksam erweisen.“
    Die Langzeitwirkungen von Klassenwiederholungen sind besorgniserregend. Die Repetition einer Klasse wird zu einer wichtigen Variablen für die Vorhersage von einem späteren negativen Verlauf der Schulkarriere: Hohe Dropout-Rate, erhöhte Selektion in Schultypen mit geringerem Anspruchsniveau und/oder Sonderschulung.

    vgl. Bless G. (2017): Irreguläre Schullaufbahnen im Rahmen der obligatorischen Schule und Forschungsergebnisse zur Klassenwiederholung. In: Neuenschwander, M.P. & Nägele, Ch. (Hrsg.):
    Bildungsverläufe von der Einschulung bis in den ersten Arbeitsmarkt. Theoretische Ansätze, empirische Befunde und Beispiele. Creative Commons Lizenz: Springer Link.

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  9. Nun muss man aber wissen, dass diese "häufigen Anwendungen" , von denen Prof.Dr.Gérard Bless schreibt, die Klassenwiederholungen in der Schweiz betrifft. Deutschland hat eine niedrigere Quote an Klassenwiederholungen. Diese Zahl schwankt zudem sehr zwischen den einzelnen Bundesländern.In Baden-Württemberg z.B. werden wesentlich seltener Klassen wiederholt als in Bayern und vielen anderen Bundesländern. In Einzelfällen kann eine Klassenwiederholung sinnvoll sein, wenn sie tatsächlich sich nach den Bedürfnissen des Kindes richtet. Das muss von allen Seiten sorgfältig geprüft werden. Keinesfalls darf es darum gehen, dass der Unterricht rascher vorangebracht werden kann.

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    1. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)(2009) zu den Ausgaben für Klassenwiederholungen in Deutschland kommt zum Schluss, dass „Sitzenbleiben“ sowohl teuer als auch unwirksam ist: So verbessern sich die Schulleistungen weder bei den Repetierenden noch bei den versetzten Mitschüler*innen. Von der demotivierenden Wirkung auf die Repetierenden ganz abgesehen. Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass, angesichts der Unwirksamkeit von Klassenwiederholungen die hohen Ausgaben eine bessere Wirkung erzielen, wenn sie vermehrt in die individuelle Förderung investiert würden.
      Hattie (2009) stellt in seiner Metastudie „Visible Learning“ fest, „in Bezug auf die Nicht-Versetzung ist die einzig interessante Frage, warum eine solche Praxis angesichts vernichtender empirischer Belege immer noch angewandt wird".
      Die Daten von Bless, G., Schüpbach, M. & Bonvin, P. (2005) „Klassenwiederholung Determinanten, Wirkungen und Konsequenzen“ sind international sehr breit abgestützt (S. 25-48). Die Schlussfolgerung der Autoren der Studie: Anstelle von Wiederholungen müssen Fördermassnahmen treten.
      Mir sind keine wissenschaftlichen Studien bekannt, die einen anderen Schluss für Deutschland zulassen.
      Bruno Achermann, Prozessbegleiter für inklusive Entwicklungen, Nottwil/Luzern

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  10. Richtig, keinesfalls darf es darum gehen, dass der Unterricht in einer Regelschulklasse lehrplangemäß stattfindet.

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  11. Stimmt! Es geht doch nicht um den Unterricht als Selbstzweck, sondern darum, dass alle Schüler so gut wie möglich beim Lernen unterstützt werden.

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