Montag, 29. Januar 2018

Hoffentlich

Die Mutter DES MÄDCHENS ist schwanger. Inzwischen sieht man den Babybauch schon deutlich. Das Mädchen freut sich auf sein Geschwisterchen.
Heute haben sie sich mit einer Freundin aus dem inklusiven Kindergarten  verabredet, deren Tochter im Rollstuhl sitzt. Sie wollen gemeinsam ins Schwimmbad gehen. Auf dem Weg dorthin möchte die Bekannte noch schnell etwas in einem Laden abholen. Doch der Eingang hat eine hohe Stufe. Keine Chance, dort mit dem Rollstuhl reinzukommen.
Also bittet sie die Mutter des Mädchens, mit den beiden Kindern draußen zu warten.  Ein paar Meter neben dem Eingang ist eine Bank. Die Mutter setzt sich dort in den Schatten und legt die Hand auf ihren Bauch. Ihre Tochter blättert in einem Buch und brabbelt dabei vor sich hin. Die Tochter der Freundin fährt fröhlich in ihrem Rollstuhl hin und her.
Da bleibt eine Frau stehen. Sie schaut auf die Kinder und dann die Mutter intensiv an. "Ach, die Kinder sind ja arme, unschuldige Geschöpfe!“, sagt sie, „aber Sie haben’s hoffentlich diesmal rechtzeitig kontrollieren lassen - damit Sie es noch hätten wegmachen lassen, wenn es auch wieder missgebildet ist!“
Die Geschichte vorgelesen ...

12 Kommentare:

  1. Traurig! Und immer wieder Alltag. Ich hoffe nachfolgende Generationen werden Menschen außerhalb der Norm als völlig normal ansehen. Mir fällt dann nur der Kommentar ein: "Warten sie mal ab, wenn sie alt und hilflos sind. Hiffentlich will sie dann niemand "entsorgen".

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    1. Es bleibt zu hoffen, dass die nachfolgenden Generationen, die Menschen die außerhalb der Norm sind als völlig normal ansehen! Es ist leider noch ein langer Weg! Mich wundert es nicht, dass viele Menschen so bescheuert reagieren wie diese Frau in der Geschichte. Es wird durch die Medien vermittelt, dass behinderte Menschen ein Problem für die Gesellschaft sind, mit dem die Gesellschaft nicht klar kommt. Habe neulich ein Bericht (Ohio ist nicht Holland)in „die Tagespost“ gelesen. In einem Beitrag für das NRC Handelsblad vom 6. September 2017 träumt der Bioethiker Marcel Zuijderland von einem Trisomie 21-freien Holland nach isländischem Vorbild

      Dieser“ Zuijderland vertritt die Meinung, solche verantwortungslosen Eltern, die trotz Indikation immer noch nicht abtreiben lassen wollen, schadeten nicht nur ihrem Kind, indem sie die Frechheit besitzen, es nicht rechtzeitig zu töten , sondern auch der niederländischenVolksgesundheit.Dabei könnte das Gesundheitssystem (und damit der Geldbeutel des Steuer- und Abgabenzahlers) erheblich entlastet werden. Folgt man nämlich der Statistik, liegen Menschen mit „Verstandelijke handicap, incl. syndroom van Down“ („Geistiger Behinderung, einschließlich Down-Syndrom“) auf Platz 1 der Kostenverursacherliste im holländischen Gesundheitswesen (Stand: 2011). Und das, obgleich sie eigentlich nichts von ihrem Leben haben, wie die Zuijderlands dieser Welt kontrafaktisch suggerieren.“
      Als ich diesen Bericht las, kriegte ich als Mutter eines behinderten Kindes ein Schauer über den Rücken! Wird dieser „Trend“ auch nach Deutschland kommen? Was wird die Zukunft noch bringen? Wird man in der Zukunft auch Vorschläge von irgendwelche Bioethiker lesen, die die Meinung vertreten, dass bestimmte Menschen ausgerottet werden sollen, die später einen Beruf aus Krankheitsgründen nicht ausüben können ,und das nur, weil sie der Gesellschaft Kosten verursachen?

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    2.  Das manche Menschen in Deutschland eine schlechte Meinung über Menschen mit Handicap haben ist nicht verwunderlich! Kaum ist die UN Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten, da konnte man schon zig Filme in den Medien zum Thema Inklusion sehen. In diesen Filme wird dem Volk suggeriert, dass behinderte Kinder ein Problem für das deutsche Schulsystem sind, ein Problem an dem Deutschland scheitert! Inklusionsgegner stellen behinderte Kinder immer wieder an den Pranger ,anstatt sich solidarisch mit den behinderten Menschen zu zeigen!

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    3. Ich gebe Ihnen in Ihrem ersten Kommentar oben vollkommen recht. Was aber schulische Inklusion betrifft (Kommentar 2), muss man auch sehen, dass das der schwierigste Part der Inklusion ist, weil nicht nur hochkomplex, sondern, als vollständige Inklusion für ALLE, voller konträrer Anforderungen . Es ist sehr fraglich, ob schulische Inklusion den Bedürfnissen sämtlicher auch schwer und mehrfachbehinderter Menschen gerecht werden kann. Als Lehrerehepaar und Eltern eines schwerbehinderten Kindes können wir keine Vereinbarkeit erkennen und kann ein Schulsystem nicht so extrem verändert werden, ohne dass es große Nachteile gibt.

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    4. Antwort auf „Was aber schulische Inklusion betrifft (Kommentar 2), muss man auch sehen, dass das der schwierigste Part der Inklusion ist, weil nicht nur hochkomplex, sondern, als vollständige Inklusion für ALLE, voller konträrer Anforderungen“.
      Wieso denn so pessimistisch? Das Durchsetzen eines Menschenrechtes ist immer HOCHKOMPLEX. Erinnern wir uns alle daran, als die Mauer in Deutschland fiel. War das einfach? Es war ebenfalls HOCHKOMPLEX alle unter einem Hut zu bringen. Tausende von Pädagogen fehlten in ganz Ostdeutschland, weil die Schüler von 12 auf 13 Schuljahren umgestellt wurden. Pädagogen wurden alle zur Fortbildung geschickt, damit sie sich dem Schulsystem aus dem Westen anpassen.Da riefen alle Politiker in Deutschland zu Solidarität auf. Es wurde ein Solizuschlag eingeführt. Hat da ein Politiker in die Welt gerufen“Die Wiedervereinigung ist gescheitert!“, so wie wir es bei Inklusion in den Medien erlebt haben? Ebenfalls als die Aussiedler und die Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Aussiedler wurden in Turnhallen untergebracht. In Europa gab es Terroranschläge. Hat ein Politiker in Deutschland panisch reagiert und in die Welt gerufen“Die Integration der Aussiedler und Flüchtlinge ist gescheitert?“und die Grenzen diesen ärmsten Menschen geschlossen? Hier haben sich alle Politiker vorbildlich verhalten und alles getan, Milliarden zur Verfügung gestellt, damit diese ärmsten Menschen UNTER den deutschen Bürger integriert werden.Als die afroamerikanische Kinder in den 60-er Jahren in USA in Schulen für Weiße zugelassen worden sind, da haben auch viele den Weltuntergang gesehen, weil sie es als zu HOCHKOMPLEX angesehen haben. Ich möchte einfach nur zeigen, dass Inklusion auch machbar wäre,auch wenn es HOCHKOMPLEX ist. Voraussetzung dafür ist,dass Politiker dies MORALISCH und FINANZIELL unterstützen. Leider fehlen die Milliarden Euro für die behinderten Menschen in Deutschland, damit sie zu ihrem Recht kommen können, um INMITTEN der Gesellschaft integriert zu werden.Solange es Politiker in Deutschland gibt, die sich gegen Inklusion aussprechen ,weil sie anscheinend an die behinderten Menschen sparen wollen,und Pädagogen Hoffnung machen Inklusion in Schulen nicht machen zu müssen,ist es kein Wunder dass Pädagogen keine Motivation haben, Inklusion in Schulen zuzulassen.Es ist dann kein Wunder, dass es dann von Pädagogen als ein Problem der Gesellschaft verkauft wird,mit dem Deutschland nicht klar kommt,weil es HOCHKOMPLEX ist.Seien wir doch ehrlich! Hätte man nur Schulen für Flüchtlinge eingerichtet, so hätten auch hier viele Pädagogen sich gegen die Aufnahme dieser ärmsten Kinder gestellt. Grund dafür hätten sie womöglich angegeben, dass diese Kinder vom Krieg traumatisert sind und sie mit deren Probleme nicht umgehen können, weil sie nicht qualifiziert dafür sind.

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    5. Antwort auf“Als Lehrerehepaar und Eltern eines schwerbehinderten Kindes können wir keine Vereinbarkeit erkennen und kann ein Schulsystem nicht so extrem verändert werden, ohne dass es große Nachteile gibt.“ Ich habe mit meinem Kind, das schwerstbehindert ist den Wechsel von einer Sonderschule Schwerpunkt geistige Entwicklung auf einer Regelschule gewagt. Es funktioniert auf der Regelschule auch nicht 100%,aber er hat die Chance wie alle Kinder auf Regelschulen zur Bildung zu kommen. Funktioniert aber auf eine Förderschulen alles 100% ? Ich weiß nicht, auf welche Elite Förderschule ihr Kind geht, aber in den meisten Förderschulen Schwerpunkt geistige Entwicklung in Deutschland erhalten die Schüler Anfang des Schuljahres keine Schulbücher. Sie erhalten nicht mal eine Musik CD, ein Malbuch oder eine Bilderbuch. Diese Kinder wurden von Politiker schon längst vergessen. Man kann von Nachteile in einer Regelschule reden, wenn es super Vorteile in Förderschulen geben würden. Aber, die sind leider nicht gegeben! Als Lehrerehepaar müssten sie doch wissen, wie wichtig Bildung auch für behinderte Kinder ist! Wie sollen behinderte Menschen für ihre Rechte kämpfen, wenn ihnen nicht mal das Lesen und Schreiben beigebracht wird.

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  2. Hoffentlich-ja was? Hoffentlich gesund? Hoffentlich alles dran-aber bitte ja nichts zuviel!?

    Guter Hoffnung auf ein Kind.


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    1. Es wird immer Menschen geben, die Behinderung nicht akzeptieren. Aber ich habe den Eindruck, das jüngere Generationen selbstverständlicher mit Behinderung umgehen und lernen können, Unterschiede zu tolerieren. Es ist ein langer Weg, aber auch für unsere Kinder nicht zu spät. Behinderung im Alltag ist wichtig, um sich damit auseinandersetzen zu können.

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    2. Ich habe ebenfalls den Eindruck, dass die jüngere Generation selbstverständlicher mit Behinderung umgehen. Mein Kind ist schwerstbehindert und besucht eine Regelschule. Die Kinder akzeptieren mein Kind so wie es ist. Er hat ganz viele Wahrnehmungsprobleme. Die Kinder und die Lehrer nehmen alle Rücksicht darauf. Sie passen sich alle an. Kein Kind lacht ihn aus oder verspottet ihn.Sie sind alle sehr hilfsbereit.Diese Kinder sind aber von Pädagogen so erzogen worden. Voraussetzung dafür ist, dass behinderte Kinder in Regelschulen zugelassen werden sollen. Woher sollen Kinder lernen, wie sie mit behinderten Menschen umgehen sollen, wenn sie nicht in Kontakt mit ihnen kommen dürfen?

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  3. "Sie meinen das, was ihre Eltern bei ihnen offensichtlich vergessen haben?"

    Solche Leute gehören zum Sozialdienst verpflichtet.

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    1. Nee, bitte nicht. Niemand sollte von empathiefreien und respektlosen Personen betreut werden müssen.

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  4. Fan des Illustrators02.02.2018, 22:34:00

    Sehr charmant, wie der Zeichner mit nur so wenigen Strichen diese so krasse Szene auf das Papier bringt:
    Die Mutter sitzt auf der Bank und schaut ganz verstört...
    Das Mädchen im Rollstuhl mit einem unsicheren, fragenden Blick in Richtung der Frau, die streng und unnachgiebig die Mundwinkel nach unten zieht und auf das Mädchen deutet...
    Und der Laden mit der hohen Stufe... ganz klein... ein paar Meter weiter...

    Einfach genial!

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Danke für Ihre Anmerkung. Wir behalten uns vor, diese hier zu veröffentlichen.