Montag, 21. Mai 2018

Ruhe

DAS MÄDCHEN arbeitet an drei Nachmittagen im Altenheim.
„Arbeit kann man das ja nicht gerade nennen“, hatte die Dame vom Arbeitsamt gemurmelt. Die Mutter kennt natürlich die Einschränkungen ihrer Tochter. Trotzdem hat sie ihr dies ermöglicht.
Das Mädchen sitzt in seinem Rollstuhl im Aufenthaltsraum zwischen vielen alten Damen. Einige drücken ihm immer mal wieder die Hand. Eine Dame zeigt dem Mädchen ein Fotoalbum aus ihrer Jugend. Das tut sie jede Woche. Wer das Mädchen gut kennt, sieht, dass es auf manche Fotos besonders reagiert. Gerne bauen die Damen kleine Türme oder Figuren aus Holzklötzen. Das Mädchen hilft dabei ein bisschen, so gut es geht. Viel besser kann es allerdings die Türme zum Einsturz bringen. Das ist dann immer ein großes Hallo.
Auch beim Singkreis ist das Mädchen mit dabei. Selbst singen kann es nicht. Dafür singen die Damen rechts und links besonders laut und deutlich.
Letzte Woche war das Mädchen allerdings krank. Erst heute kann es wieder ins Altenheim kommen. Die Leiterin empfängt das Mädchen und seine Mutter schon im Eingang: „Gott sei Dank sind Sie wieder da“, sagt sie, „Sie glauben nicht, was in der Woche hier los war. Alle haben gefragt, wann Sie denn endlich kommen. Und eine Unruhe war das – nicht auszuhalten!“
Die Geschichte vorgelesen ...

8 Kommentare:

  1. Allemachenbunt21.05.2018, 22:52:00

    So eine schöne Geschichte, die einem Hoffnung macht!

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  2. Danke für diese wunderschöne Episode! Inklusion & Empowerment - genauso muss es sein.

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  3. Tolle Geschichte!
    Ich arbeite in der beruflichen Rehabilitation und da ist die Reaktion der Arbeitsagentur (=Kostenträger) genauso. Erfolg ist nur, wenn Klient/innen einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz bekommen. Persönliche Weiterentwicklung, die für die Eine oder den Anderen viel größere Meilensteine sein können, ist da nicht so interessant. Es zeigt sich wieder mal deutlich, dass wir einen gesamtgesellschaftlichen Wandel brauchen, um Inklusion zu ermöglichen.

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    1. ... und umgekehrt: Inklusion in der Schule, die Erfahrung von Wertschätzung und Anerkennung der Verschiedenen, kann die einzelnen Menschen und die ganze Gesellschaft verändern.

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    2. Ich betrachte Schule als einen Teil von Gesellschaft

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  4. So muss Inklusion in Schulen auch funktionieren! Jeder tut, das was er kann! Inklusion bedeutet, dass die Gesellschaft sich an den behinderten Menschen anpassen soll und nicht andersrum! Wie hier im Altenheim ! Das Mädchen kann nicht so gut Türme bauen, aber sie zum Einsturz bringen. Das was das Mädchen leistet, wird von allen geschätzt! Die Damen passen sich ihr an!

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  5. Inklusion betrifft uns alle! In der Zukunft wird in Deutschland jeder zweite pflegebedürftig sein und auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen sein. Wir möchten doch alle, wenn wir im hohen Alter pflegebedürftig sind,auf Menschen treffen, die uns so akzeptieren wie wir sind.

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  6. Mein Sohn ist schwerstbehindert und besucht eine Regelschule.Augrund seiner Behinderung, hat er zig Probleme im Bereich der Wahrnehmung. Er hat Zwänge und manchmal sogar Overloads. Und wenn er mal krank ist, dann fragen seine Klassenkollegen auch wo er bleibt.Die Kinder sind hier von den Pädagogen zu Toleranz und Akzeptanz erzogen worden.Behinderte Kinder werden auf seiner Schule nicht als eine Last, als ein Problem angesehen! Vor drei Wochen fand in der Schule ein Wettbewerb unter dem Motto“Die Nacht der Künste!“. Die Kinder hatten viele Bilder ausgestellt, die sie selbst gemalt hatten.Von meinem Sohn wurden drei Bilder ausgestellt!Da er Probleme hat mit Buntstiften oder Wasserfarben zu malen, malt er mit bestimmten Programme am PC.Da es keine Kategorie gab, in die seine Bilder passten, wurde sogar eine neue erstellt.Er erhielt den Preis für digitale Kunst. Die Juri hat sich ihm angepasst! Seine Arbeit wurde auch geschätzt!Das ist Inklusion! Jeder tut das was er kann!

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