Montag, 11. Juni 2018

Der Ausritt

DAS MÄDCHEN reitet für sein Leben gern.
„Die Pferde tun ihr gut!“, sagt die Reitlehrerin zur Mutter.
Bei der Reiterfreizeit machen die Kinder täglich Ausritte in Kleingruppen.
Eines der Pferde ist dabei nicht sehr beliebt: Es hält immer wieder an, um zu fressen. Die ungeübten Kinderreiter haben dann das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Darum wird es nur von geübten Reitern oder der Reitlehrerin selbst geritten. Oder es muss im Stall bleiben.
Aber das Mädchen möchte dieses Pferd unbedingt reiten. Heute bettelt es so lange, bis die Reitlehrerin nachgibt. Die Reitlehrerin wollte heute ohnehin nicht mitreiten, sondern nebendran laufen und denkt, das klappt dann schon.
Als die Gruppe zurückkommt, hat das Pferd mit dem Mädchen auf dem Rücken kein einziges Mal gefressen oder gebockt.
„Ich muss da noch etwas ergänzen“, sagt die Reitlehrerin zur Mutter: „Die Pferde tun nicht nur dem Mädchen gut, sondern auch umgekehrt: Das Mädchen tut auch den Pferden gut!“

4 Kommentare:

  1. Mit den richtigen Menschen oder / und wie in diesem Beispiel Tieren ist alles möglich . Eltern behinderter Kinder sind schon dankbar dafür , wenn es bei Ihren Kindern einfach läuft . Erwartet wird kaum noch etwas . Wenn das Kind nebenher läuft aber glücklich ist , war es zwar keine Reittherapie im eigentlichen Sinne , aber Eltern behinderter Kinder sind dankbar über jedes Erfolgserlebnis ihres Kindes .

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    1. Nicht das Kind ist hier nebenher gelaufen, sondern die Reitlehrerin.

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    2. Fan des Illustrators11.06.2018, 21:22:00

      Sehr hübsche Zeichnung!
      Reiter und Pferd sehen aus wie ein gutes Team...

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  2. Eines der Pferde ist dabei nicht sehr beliebt. - Die Reitlehrerin denkt: „Das klappt dann schon!“

    Eine wunderbare Geschichte! – Die Erwartungen der Reitlehrerin und des Kindes scheinen sich auf das Verhalten des Pferdes und auch des MÄDCHENS auszuwirken. Was bedeutet das für unseren Umgang mit anderen Menschen?
    Man soll sich kein fixes Bild machen, weder (von Gott,) von Pferden noch von Menschen. Bestimmt gibt es eine Vielzahl von Wechselwirkungen und sicher sind die Zusammenhänge weder einfach noch kurzfristig vorhersehbar. Aber viele Forschungsergebnisse, z.B. zu den „sich selbst erfüllenden Prophezeihungen“ lassen vermuten, dass unsere eigenen Erwartungen einen erheblichen Einfluss auf das Denken und Handeln und längerfristig (auch) auf das Selbstkonzept anderer Menschen haben. – Es lohnt sich, Kindern, Eltern und Lehrpersonen immer wieder mit Zuversicht zu begegnen, ohne sie zu überfordern. - Gerade auch deshalb ist es erfolgsversprechend, alle Kinder gemeinsam und wohnortnah leben und lernen zu lassen.
    Bruno Achermann

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