Montag, 25. Juni 2018

Die Ausstellung

DAS MÄDCHEN malt und zeichnet schon, seit es klein ist. Auch zwei seiner Freunde tun das. Die Mutter möchte deshalb aus den Bildern eine Ausstellung machen und öffentlich präsentieren.
Sie hängt sich ans Telefon, um Ausstellungsorte zu finden.
„Nein“, sagt die Verantwortliche einer großen Stadtbücherei“, wir sind hier ein so begehrter Ausstellungsort. Mit Kinderkunst und Behinderten können wir uns da nicht abgeben!“
Die Mutter versucht es weiter.
Auch bei einer Stadtverwaltung hat man Bedenken: „Es geht Ihnen ja nur darum, für Inklusion zu werben…“, sagt die Zuständige zweifelnd, „die Behinderten können doch gar nicht zeichnen, oder?“
Ein weiterer Versuch. Die Mutter bietet diesmal an, dass die drei Künstler bei einer Vernissage den Besuchern auch selbst ihre Werke zeigen und erklären können. Der Kurator stockt: „Wie? Ich dachte, zwei sind auch geistig behindert. Die können SPRECHEN…?“
Doch die Mutter gibt nicht auf und findet am Ende sogar mehrere Rathäuser, in denen die Ausstellung gezeigt wird. Sie ist ein großer Erfolg.
Die jungen Künstler sind stolz und glücklich.
Und die Mutter ist es auch.
Die Geschichte vorgelesen ...

4 Kommentare:

  1. Dass viele Menschen, so ablehnend reagieren wundert es mich nicht. Da behinderte Menschen von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, wissen nichtbehinderte Menschen nicht wie sie damit umgehen sollen. Sie haben nicht die Möglichkeit sich ein Bild davon zu machen! Habe selber die Erfahrung bei meinem behindertem Kind gemacht. Habe Sätze gehört,wie“Ihr Kind sieht aber gar nicht behindert aus!Behinderte Kinder sitzen doch im Rollstuhl,oder ?!“

    AntwortenLöschen
  2. Schon in der Schulzeit werden die behinderten Kindern mit dem Fahrdienst zur Schule gefahren. In Schulen sind sie meistens nur unter sich und in Heime auch. Nichtbehinderte Menschen haben kein Kontakt zu den behinderten Menschen! Woher sollen nichtbehinderte Menschen wissen, wie sie damit umgehen sollen?Es ist ähnlich wie eine Parallelgesellschaft...und kein Politiker regt sich über diese Ungerechtigkeit auf!

    AntwortenLöschen
  3. In den Medien hatte man immer wieder gegen Inklusion geworben! Manche Politiker und Pädagogen waren dagegen!Viele assozieren Inklusion, wie der Mitarbeiter der Stadtverwaltung oben in der Geschichte,mit etwas Negativem. Wenn die Solidarität in der Politik nicht gegeben wird, dann wird Inklusion in der Gesellschaft wenig unterstützt.

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe von Dergl (Fädenrisse) hierher gefunden. Diese Aussagen ("Die können sprechen?" u. ä.) sind unter aller Sau. Ich bewundere Dich für Deine Selbstbeherrschung, ich weiß nicht, ob ich das könnte. Respekt auch für die jungen Künstler.

    AntwortenLöschen

Danke für Ihre Anmerkung. Wir behalten uns vor, diese hier zu veröffentlichen.