Montag, 10. September 2018

Eine Abschlussfeier

Abschlussfeier in der Hauptschule mit der Klasse DES MÄDCHENS. Das Programm wird geplant.
„Ich will dort singen!“, sagt das Mädchen.
„Hmm“. Die Mutter hat Bedenken. Vielleicht könnte sie gemeinsam mit einigen Mädchen aus der Klasse singen. „Nein, alleine!“, sagt das Mädchen, „ich schaffe das!“
Ihre Gesangslehrerin wird angefragt, ob sie das Mädchen begleiten kann.
„Hmm“. Die Gesangslehrerin hat Bedenken. Was würde wohl ein missglückter Auftritt beim Mädchen auslösen? „Ich schaffe das“, sagt das Mädchen.
„Hmm“, sagen die Lehrerinnen und bestehen auf einer Generalprobe. Sie möchten sicher gehen, dass sich das Mädchen auch auf die Bühne traut, vor so vielen Menschen. Das Mädchen schafft die Probe gut.
Als es bei der Abschlussfeier ans Mikrophon geht und mit sicherer Stimme seinen Lieblings-Popsong anstimmt, springen die Klassenkameraden auf und schwenken die Rose, die sie bekommen haben, im Takt. Das Mädchen singt jetzt nicht nur. Es performt sein Lied.
Und als es zu Ende ist, gibt es vom ganzen Saal Standing Ovations.
Das Mädchen verbeugt sich viele Male und strahlt.
„Hmm“, denkt die Mutter, „vielleicht schaffe ich es ja beim nächsten Mal, ihr es gleich zuzutrauen!“
Die Geschichte vorgelesen ...

3 Kommentare:

  1. Das ist eben der Anfang von allem ! Wenn sich jemand etwas zutraut ist es bereits die halbe Miete . Auch wenn es vielleicht nicht ganz wie gewünscht klappt , aber man hat es sich zugetraut . Da braucht meistens auch jeder sein eigenes Tempo . Andere die motivieren ist Großartig , überreden allerdings nicht .

    AntwortenLöschen
  2. Zutrauen ?! Tja ! In unserer Förderschule wird den Kindern in den letzten beiden Schuljahren keine kulturtechnicken mehr vermittelt . Ungefähr so , als währe man der Meinung das das was sie bisher nicht gelernt haben , jetzt eben auch nichts mehr bringt . Dafür wird mehr wert gelegt auf alltagspraktische Angelegenheiten , diese können von den Kindern aber meistens auch nicht gut umgesetzt werden . Immer wenn ich im Laufe der Jahre dachte ich könne , müsste meinem Kind dies und das zutrauen , kam mit Sicherheit ein Einspruch eines Pädagogen . Umgekehrt genauso . Man weis nie woran man ist . Orientiert man sich nach unten stehen die eigenen Kinder relativ gut da und man solle doch mehr zutrauen . Orientiert man sich aber nach oben , stellt man fest das viele Dinge unerreichbar bleiben , egal ob und wieviel man zutraut . Man steht immer am abseits , will nicht über - nicht unterfordern , muss sich alles wirklich alles selbst erarbeiten und dann auch noch mit der ständigen Unsicherheit leben ob mehr möglich gewesen währe !? Alles was für nichtbehinderte normal ist , ist es für unsere Kinder eben nicht !

    AntwortenLöschen
  3. Ich bin Mutter eines behinderten Kindes und kann mich in diese Mutter hineinversetzen. Man steht seit Jahren unter Spannung. Man weiß nicht, was man den Kindern zutrauen soll und was nicht. Bei meinem Kind ist es so, dass es in seiner Entwicklung entweder ein Schritt nach vorne geht und zwei zurück oder zwei Schritte nach vorne und einen zurück.Es ist selten , dass es einen ganzen Schritt nach vorne macht.Die meisten Eltern behinderter Kindern kennen das. Wie sehr wir uns freuen, wenn sie diese kleinen Fortschritte schaffen! Wie glücklich die Kinder dann auch sind!

    AntwortenLöschen

Danke für Ihre Anmerkung. Wir behalten uns vor, diese hier zu veröffentlichen.