Montag, 17. Dezember 2018

Die Rollstuhl-Toilette

Bald ist es soweit: DAS MÄDCHEN wechselt auf die weiterführende Schule. Die Eltern haben sich schon lange erkundigt, welche denn in Frage kommt. Denn es ist klar, dass das Mädchen eine Rollstuhl-Toilette braucht.
Gut, dass in der Nähe vor ein paar Jahren eine barrierefreie Schule gebaut wurde. Bei der Anmeldung war der Rektor allerdings merkwürdig zurückhaltend und hatte die Familie aufs Schulamt verwiesen. Er könne letztlich gar nichts entscheiden.
Heute nun ruft der zuständige Schulrat endlich zurück. „Ich habe eine passende Schule gefunden“, sagt er freundlich, „die ist etwas weiter weg. Aber das ist ja kein Problem, denn Ihre Tochter hat ja zum Glück einen Anspruch auf Beförderung!“
Die Mutter ist irritiert. „Aber weshalb kann sie nicht auf die Schule hier im Viertel gehen?“, fragt sie, „dort gibt es doch eine Rollstuhl-Toilette, oder?“
„Im Prinzip ja…“. Der Schulrat druckst ein bisschen herum, „die Installationen sind in dem Raum schon alle vorhanden. Aber weil es dort noch nie einen Schüler im Rollstuhl gab, hat man die sanitären Anlagen gar nicht eingebaut, sondern den Raum als Kopierraum genutzt…“
„Ja, und…?“, fragt die Mutter.
„Und jetzt habe ich sehr lange mit dem Rektor gesprochen: Die Schule kann sich überhaupt nicht vorstellen, den Raum wieder herzugeben. Denn sie weiß dann einfach nicht, wo die Kopierer stehen sollen. Und eine Schule ohne Kopien – die können Sie sich doch sicherlich auch nicht vorstellen, oder?“
Die Geschichte vorgelesen ...

17 Kommentare:

  1. Das ist dann wohl ein Fall für den Behindertenbeauftragten der Stadt. Es kann doch nicht sein, dass ein Kind lange Schulwege in Kauf nehmen muss, nur weil die Schule vor Ort nicht weiß, wohin mit dem Kopierer. Außerdem wurde die Schule aus gutem Grund und für teures Geld rollstuhlgerecht gebaut, wird Zeit, dass sie entsprechend genutzt wird. Vielleicht kann auch der Ausschuss für Schule helfen. Die Stadt hat die Schule immerhin bezahlt und bestimmt Interesse daran, dass sie entsprechend genutzt wird. Ich hoffe, die Eltern haben das nicht hingenommen. Wirklich unglaublich.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön wär`s ,wenn die Behindertenbeauftragten der Stadt ihre Arbeit tun würden.Ich habe es sogar in der Sonderschule meines Kindes erlebt,dass der Sanitärraum zu einer Besenkammer umfunktioniert wurde. Wenn ein behindertes Kind eine Verletzung während der Schulzeit erlitt, wurde es im Klassenraum im Stehen behandelt und die Eltern gleich kontaktiert um das Kind von der Schule abzuholen.
      Selbst die Schulbehörde hatte wenig zu sagen gehabt.Viele Sonderschulen in Deutschland sind Autonom,sodass sogar die Schulbehörden kein Entscheidungsrecht mehr haben.Vielen Eltern bleibt es nichts anders übrig als den Mund zu halten ,sonst wird den Eltern Hausverbot erteilt, oder empfohlen auf einer anderen Schule mit ihrem Kind zu gehen(dass meistens mindestens 15 Kilometer entfernt ist)

      Löschen
  2. Das ist mal wieder eine Geschichte, bei der es sehr spannend wäre den weiteren Verlauf zu erfahren !!
    Eine Fortsetzung wäre toll !
    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie die Geschichte weiter geht? Bei den vielen Schwachsinn den ich mir von Pädagogen und Mitarbeiter der Schulbehörde in Laufe der Schulzeit meines Kindes anhören musste, kann man nur vermuten, dass der Schulrat den Eltern rät eine mobile Rollstuhl Kabine zu besorgen,die inmitten des Schulhofes aufgestellt wird. Am besten noch ein riesen Namensschild drauf,damit auch jeder das sieht. Und wenn das Mädchen sich weigert auf die mobile Toilette zu gehen, wird sie noch als bockig bezeichnet. Es würde mich nicht wundern!
      Ich kann nur hoffen, dass die Mutter die Kraft hat für ihr Kind zu kämpfen. Die meisten Eltern sind davon erschöpft!

      Löschen
    2. Die Fortsetzung wird vor allem so aussehen das die Eltern nach bereits jahrelangem Kampf um jede Kleinigkeit , resignieren werden .
      Man kämpft und kämpft für die Menschenrechte der behinderten Kinder mit dem Ergebnis kaum bis nichts erreichen zu können . So verlieren Eltern nach und nach dafür notwendige kraft . Das System gewinnt jedesmal

      Löschen
  3. Das ist wirklich unfassbar. Ich hoffe auch sehr, dass die Eltern das nicht einfach so akzeptiert haben und die Schule jetzt woanders kopiert. Wobei es für die Eltern auch schwierig ist. Denn man möchte sein Kind ja nicht gerne auf eine Schule geben, die so eine Einstellung hat.
    Was würde wohl passieren, wenn jemand ein Bußgeld bekommt, weil er auf dem Behindertenparkplatz parkt ohne Berechtigung. Und er dann antwortet: Ich muss da parken. Ich parke da seit 2 Jahren und kann mir jetzt nicht mehr vorstellen, wo ich sonst parken sollte....
    Bei uns an der Schule ist es zwar lang nicht so gravierend in der Auswirkung, aber die Behindertentoilette wurde wohl immer als 2. Lehrerklo genutzt. Jetzt sind zwei Kinder da, die gewickelt werden müssen. Zunächst hieß es, das sollte auf dem Boden vor dem Reihenklo aller Schüler passieren. Ich konnte es kaum fassen. In Wirklichkeit wurde es dann die Behindertentoilette, zwar ohne Liege, ohne Schrank für Feuchttücher, Windeln etc. Aber es ist machbar.
    Jetzt kam heraus, dass es offenbar Lehrer gibt, denen es nicht so gefällt, dass zwei "Wickelkinder" die Behindertentoilette mitnutzen. Dabei würde es wohl eher uns zustehen, zu beklagen, dass auch Lehrer diese nutzen, obwohl die Kinder auf dem Boden gewickelt werden müssen.
    Trotzdem, an alle Eltern, die durch sowas verunsichert werden: zumindest bei uns läuft die Inklusion trotzdem prima für unser Kind. Es fühlt sich sehr wohl, ist voll integriert, lernt richtig gut und es gibt auch viele nette Lehrer/sonstige Personen an der Schule.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Anonym 20.36 ,ich bewundere Ihre positive Einstellung. Ein ähnliches Problem mit Windeln wechseln hatte ich auch in der Sonderschule meines Kindes. Es gab da auch keine Möglichkeit vernünftig die Windeln zu wechseln.Dies geschah immer im Stehen. Die jungen unerfahrenen 18 jährigen Schulbegleiter waren jedes Mal damit überfordert.Auf den Toilettenboden hätte mein Kind es nie zugelassen die Windel zu wechseln. Jedes Mal wenn sie ihm die Windel wechselten, drückten Sie ihn an die Wand, weil sie einen Widerstand brauchten damit die Windel sich nicht verschiebt Mein Kind war jedes Mal furchtbar irritiert deswegen und weinte.

      Löschen
    2. Wenn einmal jemand hervorhebt, dass Inklusion an seiner Schule bis auf eine Sache sehr gut umgesetzt wird, dann wird das als "positive Einstellung" "bewundert"??

      Löschen
    3. Antwort an Anonym 22.40
      Es ist nicht als Beleidigung gemeint.Tausendmal Entschuldigung!
      Stellen Sie sich mal vor auf einer Schule mit 800 Schülern, dass auf den Toiletten die Kloschüsseln fehlen würden. Anstatt den Kloschüsseln gäbe es nur Löcher in den Boden, wo Kinder gezwungen wären Großes und Kleines rein zu zielen.....und das über Jahre. Bei meinem Kind musste die Windel im Stehen gewechselt werden. Schlimmer wenn mein Kind Durchfall hatte und die Brühe bis in den Schuhen lief!
      Ich habe diese Frage in meinem Bekanntenkreis gestellt,bei Eltern die kein behindertes Kind haben. Die Eltern haben alle empört reagiert.Ihre Kinder sollen in einem Loch ihr Geschäft machen? .Keiner würde so was akzeptieren(nicht in einem Land wie Deutschland),und das egal wie lieb und kompetent die Pädagogen sind.Aber, Eltern behinderter Kinder sind es gewohnt sich mit wenig zufrieden zu geben.Schließlich sind wir erst auf den Weg Richtung Inklusion...und das seit fast 10 Jahren :( Eine behindertengerechte Toilette wäre für unsere behinderte Kinder anscheinend zu viel verlangt.
      Es ist wie gesagt,keine Beleidigung. Ich kenne das auch von mir.War glücklich für jede liebevolle Geste die sie meinem Kind entgegenbrachten(auch wenn dies bei nicht behinderten Kinder als selbstverständlich betrachtet wurde.)Wohin sollen denn diese Kinder gehen? Keine Schule will sie haben! Wie oft machen Eltern die Erfahrung ,dass behinderte Kinder zu den unerwünschten Kinder Deutschlands gehören!

      Löschen
    4. Ich habe Ihre Formulierung nicht als Beleidigung aufgefasst. Ich kann manches hier einfach nicht glauben, da meine Erfahrungen mit einem schwer behinderten Kind meistens positiver sind. Eine Sonderschule ohne Liege zum Wickeln? Nicht gut, kaum zu glauben.
      Meinem Kind wird auch im Stehen die Windel angelegt, es würde sich weigern, dabei liegen zu müssen, da es stehen kann. Man müsste es geradezu mit mehreren Personen festhalten, wenn es liegen sollte. Auch daheim hat man ja keine Liege zum Wickeln normalerweise im Bad.
      Alles in allem sind meine Erfahrungen längst nicht so geballt negativ, wie es hier oft klingt, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich Einrichtungen für behinderte Menschen schon seit vielen Jahrzehnten kenne und die enorme Entwicklung in diesem und anderen sozialen Bereichen Dank meines aufgeschlossenen Umfelds mitverfolgen könnte. Inklusive Einblicke in Einrichtungen anderer europäischer Länder, zu denen ich mich hier lieber nicht äußern will.

      Löschen
    5. Lieber Anonym 22.45
      Meiner Erfahrung nach, wenn ich jmd aus der Pflege erzähle,dass meinem Kind die Windel im Stehen gewechselt wird, dann schütteln sie alle den Kopf.In der Pflege bei den pflegebedürftigen Menschen in Altenheime ist das unvorstellbar. Alle Eltern in der Sonderschule meines Kindes,waren darüber empört,dass die Schule keine Liegen hatten.Die Schule hatte nicht mal eine Liegemöglichkeit wenn ein Kind krank war.
      Jaaaaa! Es gibt auch Sonderschulen die miserable Bedingungen haben!...(gekürzt)

      Löschen
  4. Irgendwie kommt mir diese Geschichte so bekannt vor. Die Liste der Ausreden,die ich mir im Laufe der Schuljahre meines Kindes anhören musste, ist unglaublich lang.
    Als mein Kind von einer Sonderschule auf eine Regelschule wechselte, hatte ich auch das Vergnügen mir solche Ausreden anzuhören. Der eine Schulleiter gab an, dass die Schule umgebaut wird, ein anderer gab an kein qualifizierte Sonderpädagogen zu haben, die eine Schulleiterin samt der Sekretärinnen des Gymnasiums waren sich nicht zu Schade mich im Telefongespräch anzuschreien und die Politiker zu beschimpfen, der andere tröstete mich indem er mich einer Schule empfahl,die 20 Kilometer entfernt von unserem Wohnort war.usw.usf.Wurde von so vielen Ausreden müde. Musste dann einen Anwalt einschalten! Dass mein Kind Anfang des Schuljahres kein Schulbegleiter hatte,versteht sich in Deutschland von selbst. Das war wieder unsere Aufgabe als Eltern dem hinterher zu rennen.Lag daran weil die Zuständigen in der Schulbehörde vermutlich denken, dass die Eltern behinderter Kinder Langeweile haben.

    AntwortenLöschen
  5. Normaler Alltag für behinderte und deren Eltern . Nix besonderes in Deutschland !

    AntwortenLöschen
  6. Die ausschlaggebende Frage,die die Mutter dem Schulrat stellen muss ist:Wo befindet sich der ursprüngliche Kopierraum? Wer hat ihn besetzt? Zu was würde der dann umgebaut?
    Wenn eine Schule neu gebaut wird,dann wird ein Kopierraum von vornherein berücksichtigt.Das ganze ist nur eine Ausrede des Schulrates,weil er anscheinend das Madchen auf eine Sonderschule abschieben möchte.

    AntwortenLöschen
  7. Das Traurige daran ist, dass der Schulleiter der Schule das Mädchen laut Inklusion Gesetz (deutsche Interpretation der UN-Behindertenrechtskonvention) auf seine Schule nicht aufnehmen muss. Behinderte Kinder dürfen laut deutschem Gesetz auf eine Regelschule gehen, nur dann wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind! Und da Kopiergeräte die Behindertentoilette besetzen,sind die Voraussetzungen für die Aufnahme eines behinderten Kindes im Rollstuhl nicht erfüllt.Es ist keine Toilette vorhanden. Die richtige Inklusion bedeutet, dass die Gesellschaft sich an die behinderten Menschen anpassen muss und nicht andersrum. Der Schulrat erwartet, dass das behinderte Mädchen sich anpassen soll und auf eine andere Schule gehen soll,und das egal ob die zig Kilometer weit entfernt ist.Das ist keine Inklusion!

    AntwortenLöschen
  8. Die meisten Argumente,die von den Schulleiter der Schulen den Eltern aufgetischt werden, weswegen sie die behinderten Kindern nicht aufnehmen wollen sind, dass sie keine qualifizierte Pädagogen haben.Der Schulleiter der Schule wo mein Kind die Schule besuchte,klagte auch dass die Sonderpädagogen in Sonderschulen gewohnt sind(und dafür ausgebildet worden sind) nach den Lehrplänen der Sonderschulen und nicht die der Regelschulen zu arbeiten. In Sonderschulen werden behinderte Kinder auf lebenspraktische Fertigkeiten ausgebildet.Viele Sonderpädagogen,die den Wechsel von einer Sonderschule auf einer Regelschule gewagt hatten, sind damit überfordert.In Regelschulen müssen sie Hand in Hand mit den Fachlehrer arbeiten und zu jedem Thema das in Unterricht vorgenommen wird Arbeitsmaterial vorbereiten. Da behinderte Kinder in Sonderschulen keine Schulbücher haben ,ist das alles Neuland für viele. Die Ansprüche in der Pädagogik sind in einer Regelschule viel viel höher als in einer Sonderschule.

    AntwortenLöschen
  9. Ein ähnliches Problem,wie die Mutter in der Geschichte oben, habe ich in meinem Bekanntenkreis. Die behinderte Tochter einer meiner Freundinnen besucht eine Sonderschule. Ab Sommer 2019 soll sie im Rahmen einer Berufsorientierung ein Jahr auf eine Berufsbildende Schule gehen. Da die Sonderschule 30 min vom Wohnort entfernt ist, wird sie jeden Tag vom Fahrdienst hin und her gefahren. Die BBS aus ihrem Wohnort hat aber ab Sommer nicht genug Plätze für die behinderten Jugendliche frei. Vor ein paar Tagen erhielt meine Freundin die Nachricht, dass ihre Tochter ab Sommer eine BBS besuchen soll die 1,5 Std entfernt von ihrem Wohnort liegt. Das schlimme daran ist, dass ihre Tochter auch noch als Selbstfahrer abgestempelt worden ist, da es kein Fahrdienst gibt, die die große Strecke übernimmt.
    Was soll man den von einer Regelschule erwarten wenn nicht mal die Sonderschulen oder Behinderteneinrichtungen sich auf die Bedürfnisse der behinderten Menschen anpassen wollen.Es ist zum Verzweifeln! Meine Freundin und ihre Tochter haben schlaflose Nächte,weil sie nicht wissen wie sie dies bewältigen sollen. Es ist Pädagogen,Politiker in Deutschland egal ob behinderte Menschen jeden Tag von Flensburg nach München und zurück pendeln. Es wird erwartet, dass die behinderte Menschen sich an die Probleme der Gesellschaft anpassen sollen! Und wehe da klagt einer!

    AntwortenLöschen

Danke für Ihre Anmerkung. Wir behalten uns vor, diese hier zu veröffentlichen.