Montag, 21. Januar 2019

In der Freizeit

Die Mutter DES JUNGEN trifft eine andere Mutter. Beide haben sich lange nicht mehr gesehen.
Die Tochter der anderen Mutter war einige Zeit mit dem Jungen in einer Klasse, bis er in die allgemeine Schule wechselte.
Seit kurzem lebt sie in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung.
„Sie fühlt sich dort sehr wohl“, berichtet ihre Mutter, „auch in der Freizeit wird dort einiges angeboten.“
„Ach, das ist ja interessant“, fragt die Mutter des Jungen nach, „was denn so?“
„Manchmal wird gemeinsam gekocht oder ein Kinoabend organisiert. Sogar bei einem Fußballspiel waren sie neulich“, berichtet die Mutter.
„Ich weiß nicht, ob das was für meinen Sohn wäre“, gibt die Mutter des Jungen zu bedenken, „er geht ja regelmäßig ins Fitness-Studio. Und am Wochenende ist es zumindest im Winter sein größtes Glück, wenn er Ski fahren kann!“
„Ts, ts…“ – die andere Mutter legt die Stirn in Falten und schüttelt den Kopf:
„Du hast aber auch immer Ansprüche!“
Die Geschichte vorgelesen ...

5 Kommentare:

  1. Jawohl ! Ansprüche ! Mir kommt die Galle hoch . Genau das wird behinderten Kindern und ihren Familien von Anfang an eingetrichtert , sie sollen mal nicht so anspruchsvoll sein . Und zwar nicht nur in der Freizeitgestaltung sondern schon ganz am Anfang bei der Bildung . Nicht das diese Menschen einmal eineinigermassen ein erfüllendes Leben führen können . Ich kenne einige die wieder aus dem betreuten wohnen ausgezogen sind . Jeder der einigermaßen vernünftig denken kann , weiß das ein betreutes wohnen niemals ein Zuhause ersetzen kann ! Völliger Quatsch ! Ansonsten können ja gerne alle die davon so begeistert sind selbst ins betreutes wohnen ziehen . Wir haben bereits heute Pflegenotstand ! Auch in den Wohngruppen gibt es zu wenig betreuungspersonal . Und wer möchte freiwillig immer von anderen Menschen abhängig sein ? So ist es eben in einem Land in dem das Menschenrecht der Inklusion seit 10 Jahren von der Politik ignoriert wird !

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  2. Solange Eltern noch aufeinander rumhacken und sich nicht gegenseitig unterstützen ... es fehlen einem die Worte .

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    1. Kann doch jeder seine Meinung haben? Wieso soll jeder denken wie die Mutter des Jungen? Familien mit mehreren Kindern oder geringem Einkommen können auch nicht alle Wünsche ihrer Kinder erfüllen. Dieses alberne "Ts,ts..." kann ich nicht so richtig glauben.

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  3. Ich glaube auch das Ts,Ts eher sarkastisch gemeint ist

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  4. Fan des Illustrators27.01.2019, 11:25:00

    Wow! Starke Zeichnung!

    Jeder Mensch hat seine individuellen, berechtigten Ansprüche.
    Menschen mit Einschränkungen brauchen meist einen Unterstützer/eine Unterstützerin, um die eigenen Ansprüche zum Ausdruck bringen zu können, geschweige denn einfordern zu können.
    Allerdings geraten diese Ansprüche oftmals in Konflikt mit den Ansprüchen des "Unterstützers"...

    Es bleibt ein gesellschaftliches Problem: Welcher Stellenwert wird einem Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft eingeräumt?
    Welche Konzepte werden entwickelt, um die Anerkennung der Rechte eines Menschen mit Behinderung zum Ausdruck zu bringen und ihm die Umsetzung seiner Ansprüche zu ermöglichen?

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Danke für Ihre Anmerkung. Wir behalten uns vor, diese hier zu veröffentlichen.